Övver-Ohnder

 

Verzällcher un Anekdötcher

 

 

Hier wollen wir peu à peu kleine, nette Geschichten (Verzällcher) aus Oberodenthal veröffentlichen. Hierfür schicken wir unseren Michael Melchior ins rennen, der sich die Geschichten anhört und zusammenschreibt.

SIE haben auch eine schöne Geschichte oder vielleicht Bilder zur Geschichte?
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- Unsere und ihre Geschichten -

                    Dreimal Övver-Ohnder Alaaf                                Wilddiebe, Zigeuner und Cowboys aus Eichholz     

Die ereignisreiche Geschichte der Kapelle Klasmühle                  Schulmeister im Kirchspiel                   


 

Dreimal Övver-Ohnder Alaaf

Die Ursprünge des Karnevals in Oberodenthal

Während der Kölner Karneval 1823 mit dem „Festordnenden Komitee“ seine Geburtsstunde hatte, folgte knapp 100 Jahre später, genauer Bild 2gesagt 1920, der „Theaterverein Frohsinn Oberodenthal“ mit Theateraufführungen und auch ersten Karnevalssitzungen.  Das Zentrum dieser Aktivitäten war – bis zum Krieg – in Eichholz.


Bild 1Geierwally in Övver-Ohnder
Ab 1949 wurde diese Tradition fortgesetzt – und zwar nun in „Hüsers Saal“ in Scheuren. Theaterspiele und Karnevalssitzungen wurden von einheimischen Kräften bestritten.
Es war die schwere Zeit in den Nachkriegsjahren, in der den Männern und Frauen durch Lachen und Freude Abwechslung und eine neue Perspektive eröffnet werden sollte. Im Stübchen der Gaststätte Heuser zog man sich um, in der Küche konnte man im Stehen seinen Hunger stillen. Für die Theaterstücke besorgte man sich Drehbücher; Johann Forst aus Grimberg übernahm als Spielleiter die Regie.  Da man dem Publikum eine perfekte Vorstellung bieten  wollte, fand die Generalprobe mit Publikum im Burscheider Ortsteil Ösinghausen statt.
Die Stücke waren im Stile von „Geierwally“, fanden in der Welt der Jäger und Förster statt, umrahmt von alpiner Bergkulisse.  Lustige Szenen auf der Bühne und ein lachendes Publikum waren garantiert. Der Zuspruch war riesengroß.  Mindestens drei Aufführungen fanden von jedem Stück statt. Eine Aufführung, das besondere Emotionen hervorrief, hieß „Das Lied der Mutter“.
Vielen ging es zu Herzen und es flossen zahlreiche Tränen. Die Kriegserinnerungen kamen wieder hoch.

Bild 3

Fürs Theater wie auch für die Karnevalssitzungen standen nur eigene Kräfte aus Oberodenthal zur Verfügung. Alles wurde selbst gemacht: Von den Kostümen bis zu den Kulissen, von den Büttenreden bis zu den Gesangseinlagen. Bosbachs Will leitete als Präsident die Sitzungen und ging mit dem Programm sogar auf Tournee.

                      ZwillingsClowns  Gruppe Taenzer

Karnevalsumzüge über die Dörfer und stolze Dreigestirne

1967 startete der Övver Ohnder – Straßenkarneval, allerdings nicht auf Odenthaler Gemeindegebiet, sondern in Bechen. Sieben Jecke, die sich in Schmeisig unter den „Vier Linden“ trafen, bauten den ersten Karnevalswagen: Die Mitglieder des Theatervereins Johann Koch, genannt Schäng, Bauer in der Session 1979/80 sowie Hans Georg Kufner. Weiter machten mit: Wilfried Schumacher, der erste Bauer in der Session 1974/75, sowie Karli Bosbach, Willi Klein, Hans Stüttem und Alfred Wieczorek.

Der längste Zug

1968 zog der erste Zug an einem Karnevalsdienstag durch Övver-Ohnder. Er startete in Landwehr, ging durch Neschen bis nach Scheuren, legte in der Gaststätte Heuser eine Pause ein, zog dann wieder über Neschen bis nach Schmeisig. Das Narrenvolk versammelte sich an den tollen Tagen im Haus Heuser. Dort gab es Musik und als Highlight eine Sektbar im Keller. Feiern ohne Pause war die Devise, sodass am Aschermittwoch noch nicht aufgeräumt war. Das traditionelle Fischessen musste fünf Jahre lang (1968 – 1972) ausfallen.


Das erste Dreigestirn 

Am 1. Februar 1974 wurde in der Gaststätte Heuser das erste Dreigestirn proklamiert. Der Prinz des Vorjahres, Siegfried I. (Görner) aus Höffe nahm die Proklamation vor. Der Saal platzte aus allen Nähten, als Prinz Peter I (Tillmann), Jungfrau Anneliese (Selbach) und Bauer Wilfried (Schumacher) in ihr Amt eingeführt wurde.

Durch die enge Verbindung mit dem „Theaterverein Frohsinn“ stellten die Karnevalisten ein buntes Programm auf die Beine, echten und unverfälschten bergischen Karneval.

Und hier das Programm aus dem Jahr 1974:

 Programm

Michael Melchior, August 2016

- ENDE -

 


 

Karneval rund um die Welt
Wilddiebe, Zigeuner und Cowboys aus Eichholz
Karneval und Dreigestirne fanden in den ersten Jahren (ab 1975) rund um den Eichholzer Weg einen fruchtbaren Boden. Aber auch der Wagenbau brachte Jahr für Jahr  aktuelle Themen auf die Straße.
Prinz Günther I. (Kufner) residierte in der Hofburg  „Gaststätte Schwind“. Damals waren die Karnevalsfarben noch Blau-Weiß.
Prinz

Er wurde  von den „Eichholzer Wilddieben“ begleitet.

Wilddiebe

Der Karnevalswagen karikierte die Planungs-Pleite zur Autobahn A 31. Damals ein Thema, das in aller Munde war.
Denn es war eine durchgehende Autobahnverbindung von Emden an der Nordsee (heute bekannt als „Ostfriesenspieß“) bis in die Eifel nach Bad Neuenahr geplant.  Die Autobahn wäre östlich von  Wermelskirchen, Kürten-Bechen und Spitze und westlich von Bergisch Gladbach verlaufen und hätte das Scherfbachtal mit einer hohen Brücke überquert.  Zahlreiche Proteste haben dieses Vorhaben gestoppt. Es wurde 1980 zu Grabe getragen.

Wagen

1976 regierten Prinz Willi I. (Schwind), Jungfrau Ilse und Bauer Büb. Die Hofburg blieb natürlich in Eichholz.
Der Prinzenwagen war eine Kegelbahn. Der „damals noch Dienstagszug“  stand unter dem Motto:
„….willste Urlaub, hast kein Geld, bleib in Eichholz, am A…der Welt“.  Das 1977 folgende Dreigestirn mit Prinz Peter II (Linden),
Anni Linden und Gerd Laas wurde durch die „Eichholzer Zigeuner“ unterstützt.
Dann ging es in den „Wilden Westen“. Eine“ Reiter-Ranch“ auf Rädern versorgte die Eichholzer Cowboys mit Wurfmaterial.
1980 war Holland dran: Eine im Tulpenfeld stehende „Holländer Mühle“, selbstgenähte Holländer Trachten schmückten die Eichholzer
Fußtruppe. Im Jahr drauf wurden  die Trachten zu Ungarn-Kostümen umgeschneidert. Der Sockel der Mühle wurde zum „Puszta-Ziehbrunnen“ umgebaut.

                   Wagen Nah

Fotos: Familien Bongen und Selzer

 

Michael Melchior, April 2016

- ENDE -


 

Die ereignisreiche Geschichte der Kapelle Klasmühle

Im Wohnzimmer fing alles an!
Die ereignisreiche Geschichte der Kapelle Klasmühle
„Im Scherfbachtal wohnen fromme Leute“, sagten sich die Patres und Brüder des Dominikanerklosters auf der Lindenstraße in Köln, als sie 1920 ein Grundstück für ein Erholungshaus in Klasmühle erwarben. Die Bedingung war, dass an Sonn- und Feiertagen ein Domikanerpater im Scherfbachtal die Messe feiert.
Fürs erste fand der Gottesdienst seit 1920 im Wohnzimmer der Familie Frielingsdorf in Klasmühle statt.  Dort reichte der Platz gerade für die Kranken und Alten; die Mehrzahl stand vor der Tür.
Von 1924 bis 1948 dann wurden die Sonntagsmessen in der alten Schreinerei Herweg – zwischen Arkenau und dem Bauernhof der Familie Dünner – gefeiert. Die Werkstatt wurde als Kapelle hergerichtet, Kirchenmaler Peter Köp sorgte für die Gemälde.
In einem Glockentürmchen rief eine aus Holland gestiftete Schiffsglocke zum Gottesdienst.

Holzkapelle Hl Kreuz 1924-48
Heilig-Kreuz

Das Kölner Dominikanerkloster trug damals wie heute den Namen „Heilig Kreuz“ und gab der Kapelle in Klasmühle ebenfalls diesen Namen. Als religiöses Symbol stiftete der Orden als Reliquie eine Holzpartikel aus dem Kreuz Jesu vom Berge Golgatha. Diese Reliquie ist bis heute in den Altar eingelassen.
Leider haben die Dominikaner das Erholungshaus nicht realisieren können, sodass die Verpflichtung zu einer sonntäglichen Messfeier hinfällig wurde.  Die Scherfbachtaler blieben aber am Ball und gründeten 1930 einen Kapellenbauverein, der regelmäßige Haussammlungen durchführte. Neben dem Ziel, eine größere Kapelle zu bauen, bestand die regelmäßige Aufgabe darin, einen Priester für die Gottesdienste zu finden. Dies gilt bis zum heutigen Tage.


Neue Kapelle
Mit großem Engagement wurde das Projekt einer neuen Kapelle in Angriff genommen. 53 Familien verpflichteten sich zur Hilfe am Bau, Familie Frielingsdorf stiftete das Grundstück.
Nach der Grundsteinlegung am 16. November 1947 wurde die Kapelle ohne fremde Hilfe errichtet. Die Firma Metten in Bergisch Gladbach lieferte die Baustoffe und wurde mit 180 Zentnern Kartoffeln und Speck bezahlt. So kam die Kapelle im Volksmund zu ihrem speziellen Namen „Speckkapelle“.
Sechs Tage vor Weihnachten 1948 konnte die Kapelle eingeweiht werden. Sie war damals noch freistehend und ein Blickfang im Scherfbachtal.

Kapelle Heilig Kreuz 1953


Streit um Altarraum
Der Altar aus der Schreinerwerkstatt fand seinen neuen Platz in der Kapelle.  Er stammt ursprünglich  aus dem Kölner Ursulinenkloster durch Vermittlung von Frau Hölzer aus Meutemühle.
Hinter dem Altar gibt es einen kleinen Chorraum, den Maler Köp nach einem eigenen Entwurf ausgestaltete. Es zeigte eine Kreuzdarstellung, in der Christus triumphierend aus einem Weinstock hervorgeht. Eine mutige – und wie sich zeigen sollte – umstrittene bildliche Kombination.
Das Gemälde wurde aus Protest zerkratzt und beschädigt. Der unverstandene Künstler übermalte daraufhin sein Werk. Somit ist die Chornische bis heute weiß geblieben.

Kapelle innen September 1952

Gute Taten
Seit 1987 stehen Gemeinderäume zur Verfügung, die an die Kapelle angebaut wurden. Hier hat nun der Handarbeitskreis seine Heimat gefunden. Seit 1978 findet Jahr für Jahr der Adventsbasar statt, seit drei Jahren zusätzlich der Osterbasar.
Die Einnahmen dienen dem Unterhalt und der Renovierung der Kapelle, zum größten Teil werden sie aber für soziale Zwecke gespendet.
Sonntags um 9 Uhr findet in Klasmühle ein katholischer Gottesdienst statt. Jeder ist eingeladen, mit den Menschen aus dem Scherfbachtal zu beten und sich an die bewegte Geschichte der Kapelle zu erinnern.


Michael Melchior in Zusammenarbeit mit Doris und Peter Ohmen
Mai 2015


 

Schulmeister im Kirchspiel (Chronik der Schulen in Oberodenthal)

Die Gemeinde Odenthal verfügt heute über fünf Schulbezirke:  Eikamp (früher: Volksschule Schallemich), Voiswinkel, Blecher (früher: Volksschule Altenberg), Oberodenthal und Odenthal selbst. Die Schulen in Odenthal und Oberodenthal sind die beiden ältesten. Bis 1975 gehörte auch die Volksschule Schildgen zu Odenthal (heute auch Grundschule).
Die Geschichte der Schulen ist eng mit der Kirche verknüpft. Küster und Vikare waren die ersten Schulmeister.  Rechnen, Schreiben und Lesen waren die einzigen Fächer.  Daneben wurde aber auch kräftig und viel gesungen.  Das „Kirchspiel“ bezeichnete den geographischen Bereich, in dem der jeweilige Pfarrer predigte. Dabei  hat der Wortteil „…spiel“ nichts mit Spielen zu tun, sondern bedeutet „Predigen“ oder „Reden“.  Im Dialekt wurde „Kirchspiel“ zu „Kirspel“.  Hier ist die Verwandtschaft zum englischen „to spell = buchstabieren“ offensichtlich.

Bis 1788 gab es nur ein Kirchspiel mit einer Schule in Odenthal.  Weil die Kinder im Sommer und Herbst bei der Ernte helfen mussten, fand der „Ganztagsunterricht“ nur von Januar bis Mai statt.  Es handelte sich um eine „Winterschule“. Für die Kinder aus Oberodenthal  waren deshalb die Schulwege lang und sehr beschwerlich.  Der Ruf nach einer eigenen Schule in Oberodenthal, in „Oberkirspel“ wurde immer lauter.

Ab 1776 wurde für den Bau einer Schule in Spezard  Geld gesammelt.  Am 21.11.1788 war das Gebäude einer zweiten Schule in Odenthal fertig. Der Unterricht in Oberodenthal konnte  beginnen.Alte Schule Strassenseite


Historisch ist zweierlei bemerkenswert:

  1. Schule in Scheuren gab es bereits ein Jahr vor der französischen Revolution, mit der der Ständestaat des Mittelalters  sein Ende fand und „Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit“ für jedermann ausgerufen wurden.
  2. Erst 37 Jahre später (1825) führte Preußen im Rheinland die Schulpflicht für Kinder von sechs bis 14 Jahren ein.

In den beschriebenen Anfängen war Scheuren der Mittelpunkt von Oberodenthal. Schmiede, Feuerwehrhaus und Gaststätte mit Festsaal beschrieben das Zentrum.  Deshalb fand auch hier die erste Schule ihren Platz.


1843 besuchten 160 Schülerinnen und Schüler die Scheurener Schule und platzte – trotz eines Anbaus – aus allen Nähten.  Deshalb wurde 1869 in Hüttchen eine zweite Schule errichtet, in dem heute der katholische Kindergarten untergebracht ist.  
Als 1953 in Scheuren eine neue Schule (heute Feuerwehr) gebaut wurde, konnte das älteste (seit 1788) Schulhaus im gesamten Regierungsbezirk Köln verlassen werden. Das aus Lehmfachwerk erbaute Haus ist heute noch ein Blickfang in Scheuren.


Bis 1968 gab es in Oberodenthal zwei Schulen. Mit einer landesweiten Schulreform verschwand die achtjährige  Volksschule, sodass im gegliederten Schulsystem nur noch die Primarstufe in Form der Grundschule (vier Jahre) in Oberodenthal vorgesehen war. Die Schulformen der Sekundarstufe (Haupt- und Realschule sowie Gymnasium) wurden in einzelnen Schritten in Odenthal bzw. in den benachbarten Städten angeboten.


Da die Grundschulen nur noch aus vier Klassen bestanden, sollten die beiden Schulen in Scheuren und Hüttchen zusammengelegt werden. Zur Diskussion stand auch, dass alle Schüler aus Oberodenthal mit Bussen nach Eikamp gebracht werden sollten. Aber man befürchtete, dass, wenn die Schule einmal weg sei, Oberodenthal dann niemals mehr eine Schule bekommen würde. Erfreulicherweise stimmte der Gemeinderat für eine Zusammenlegung beider Schulen, und zwar in Oberodenthal. Ein Neubau wurde notwendig.
Kommen wir zur Geschichte der Kirche zurück. Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde im Oberkirchspiel der Grundstein für St. Michael gelegt (1961). 1963 wurde die Kirche mit der Sakristei und weiteren Versammlungsräumen  fertiggestellt.  Dabei entstand ein Innenhof mit einem überdachten Umgang (andeutungsweise ein Kreuzgang).  Der Innenhof ist zum Himmel hin offen. Architektonisch wirkt St. Michael aus der Ferne wie eine Burg, die durch einen spitzen Turm als Fingerzeig Gottes  sich harmonisch in die bergische Landschaft einfügt.
Schule Neu Architektur

Das Zentrum von Oberodenthal lag nunmehr in Neschen. Die Grundschule folgte fast automatisch von Scheuren dorthin.
Seit 1972 wurden in einer neu errichteten Grundschule die Klassen 1 bis 4 unterrichtet.

Der Neubau fügt sich durch höhenversetzte Klassenzimmer und ein weit heruntergezogenes Dach organisch in die bergische Landschaft ein. Gleichzeitig bildet er einen schönen Kontrast zum langgestreckten Turm von St. Michael.

Oberodenthal hat damit in Neschen durch Kirche und Schule ein unverwechselbares Zentrum gefunden.  

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Melchior
mit Unterstützung durch Altbürgermeister Johannes Tillmann und dessen Tochter Birgit
Oktober 2014

 

 

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